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Ist dicker immer besser? 13 vs. 10 mm Gürtel im Kraftdreikampf

Is Thicker Always Better? 13 mm vs. 10 mm Belts in Powerlifting

Ist dicker immer besser? 13 vs. 10 mm Gürtel im Kraftdreikampf

Die Nutzung von Gürteln ist aus dem Kraftdreikampf nicht mehr wegzudenken, da sie viele Vorteile bieten: mehr intraabdominaler Druck und dadurch eine effizientere Kraftübertragung in den Lifts. Es ist nicht der Gürtel selbst, der diese Wirkung erzeugt, sondern die Art und Weise, wie Athlet:innen gegen den Gürtel Spannung aufbauen.

Bei der Entscheidung, welchen Gürtel man sich für den Kraftdreikampf zulegen möchte, fällt der Entscheidungsprozess meist sehr kurz aus: Welche Gürtel tragen die Athlet:innen, denen ich nacheifere? Dabei ist das Thema deutlich komplexer, als man denken würde, und es gibt eine Menge an Variablen, die berücksichtigt werden sollten. Das Material selbst, die individuellen Hebelverhältnisse, der Körperfettanteil, der Hebestil sowie die Bauweise der Schnalle sind einige davon.

In diesem Beitrag möchte ich auf verschiedene Aspekte dieser Differenzierung eingehen. Die schlussendliche Antwort ist, wie immer: Es kommt drauf an. Nehmt euch die Zeit zu überlegen, welche der angesprochenen Faktoren bei euch in welche Richtung tendieren, bevor ihr euch für den Neukauf eines Gürtels entscheidet.

Material und Steifigkeit

Wie steif ein Gürtel ist, spielt insofern eine Rolle, als dies einen Einfluss auf die Verwendbarkeit bei unterschiedlichen Lifts hat. Der generelle Trend scheint zu sein: Bei Kniebeugen eher der harte Gürtel, beim Kreuzheben eher der weichere Gürtel. 13-mm-Gürtel sind tendenziell etwas steifer als ihre 10-mm-Gegenstücke, allerdings kommt es hier auch auf das Material und die Schnalle an.

Strength Shop nutzt synthetisches Leder für seine Gürtel, welches bisher eher weich war. Die gute Nachricht: Auch hier wird intern stets an neuen Materialien gefeilt und eine Neuerung am Markt ist bereits am Horizont. Je nachdem, in welchem Verband man Wettkämpfe bestreiten möchte, sollte man darauf achten, dass der genutzte Gürtel auch den Materialanforderungen des jeweiligen Verbandes entspricht (Dicke, Breite, Länge, Approved List).

Zu beachten ist: Material, das sich zu Beginn sehr hart anfühlt, kann mit der Zeit weicher werden. Hier lohnt es sich also immer, wenn man im direkten Umfeld die Gelegenheit hat, den einen oder anderen Gürtel von anderen auszuprobieren.

Wichtig: Gürtel sind Gebrauchsgegenstände, die zwar verhältnismäßig lange halten, jedoch tendenziell mit der Zeit an Steifigkeit verlieren. Je älter der Gürtel, desto weicher wird er tendenziell sein.

Sprich: Wenn sich ein Gürtel zu Beginn etwas zu hart beim Kreuzheben anfühlt, besteht eine gute Chance, dass er innerhalb weniger Wochen bis Monate – je nach Nutzung – deutlich formbarer wird. Das kann zu erhöhtem Tragekomfort und mehr Leichtigkeit beim Einnehmen einer effizienten Startposition führen.

Früher (FRÜÜÜÜHER!!!) haben Leute ihre Gürtel nach dem Kauf durch eine Mangel gejagt oder sind sogar mit ihrem Auto darüber gefahren, um sie „einzubrechen“.

Generell gilt: Je dicker ein Gürtel, desto steifer wird er sein. Allerdings kann auch die Art des Verschlusses einen Unterschied machen. Ein klassischer Gürtel mit einem einzelnen oder doppelten Zinken wird üblicherweise etwas weniger Steifigkeit haben als ein Gürtel mit Hebelverschluss, da sich durch den Hebelverschluss mehr vom Material überlagert.

Hebelverhältnisse, Körperkomposition und Technik

Wie ist das Verhältnis meines Torsos zu meinen Beinen? Wie hoch ist mein KFA? Hebe ich Sumo oder Conventional? All diese Faktoren sollten vor dem Kauf eines Gürtels berücksichtigt werden.

Ein essenzieller Faktor für die Funktionsweise eines Gürtels ist die Torsolänge. Je nachdem, wie lang der Abstand zwischen Hüftknochen und Rippenbogen ist, kann es empfehlenswert sein, eher zu einem dünneren oder dickeren Gürtel zu greifen.

Athlet:innen mit längeren Oberkörpern haben meist mehr Platz, um ihn zu platzieren, je nach Hebelverhältnissen an den Beinen aber oft auch mehr Vorlage im untersten Punkt bei der Kniebeuge und in der Startposition beim Kreuzheben.

Da Hebelverhältnisse wahnsinnig individuell sind, gilt Folgendes als generelle Empfehlung, die immer individuell überprüft werden sollte: Wer einen längeren Oberkörper hat, könnte eher zu einem 13-mm-Gürtel greifen – für zusätzliche Rigidität bei schweren Lifts. Kurze Oberkörper mit wenig Abstand zwischen Rippen und Hüfte könnten eher zu einem 10-mm-Gürtel greifen – für mehr Flexibilität beim Erreichen der Startposition beim Heben und der untersten Position beim Beugen.

Besonders beim Heben kann hier auch die Armlänge eine große Rolle spielen: Wer mit langen Armen gesegnet ist (oder verflucht, je nachdem, wen man fragt), wird üblicherweise eine etwas höhere Startposition haben als andere, ergo weniger Hüftflexion und damit mehr Platz für einen härteren Gürtel.

Wer dann aber zum Beispiel mit mehr Flexion in der Brustwirbelsäule – also leicht nach vorn gebuckelt – hebt, dem kann ein dickerer Gürtel eher in die Quere kommen.

Die Körperkomposition, also der Körperfettanteil und auch die Fettverteilung an sich, ist ein weiterer Faktor für diese Differenzierung. Menschen mit eher hohem oder eher niedrigem Körperfettanteil werden dazu neigen, mehr Quetschungen von einem dickeren Gürtel davonzutragen. Blaue Flecken oder aufgeschürfte Haut am Arm oder Oberschenkel gehören hier zum Trainingsalltag.

Gleichzeitig kann ein dickerer Gürtel bei Athlet:innen mit niedrigerem Körperfettanteil bei der Beuge zu mehr Weichteilhemmung verhelfen, also braucht es hier eine genaue Abwägung.

Im Kreuzheben gibt es sogar eine nicht kleine Anzahl von Athlet:innen, die gar keinen Gürtel tragen, weil sie sonst keine für sie effiziente Startposition beim Kreuzheben einnehmen können.

Die Position des Gürtels spielt eine genauso wichtige Rolle. Wenn ich mir einen neuen Gürtel anschaffe, sollte ich durchaus damit experimentieren.

Mögliche Varianten sind hier:

  • Position des Gürtels entlang des Torsos (tief, mittig, hoch bis zum Brustbein)
  • Position des Verschlusses (vorn, seitlich, hinten)
  • Winkel des Gürtels von der Seite betrachtet (waagerecht, nach vorn oder nach hinten geneigt)

Auch hier gibt es Tendenzen: Schwerere Athlet:innen tendieren vor allem beim Kreuzheben dazu, ihren Gürtel höher am Torso zu tragen, während sie den Gürtel beim Kniebeugen oft etwas tiefer positionieren.

Je nachdem, wie ich den Gürtel positioniere, kann sich dadurch auch der Ablauf und die Ausprägung des Spannungsaufbaus durch das Bracing verändern.

Darüber hinaus gibt es auch die Möglichkeit, einen noch etwas schmaleren Gürtel von Strength Shop zu erwerben (LINK?). Mit 7,6 cm bietet dieser Gürtel einen besonderen Vorteil für besonders kleine Lifter und findet auch viel Anwendung beim Bankdrücken im Equipment, einer eigenen Disziplin im KDK.

Nicht zuletzt spielt die Technik eine Rolle: Abseits der Hebelverhältnisse und Körperkomposition macht nicht nur der Stand (weit vs. eng) einen Unterschied, sondern auch Dinge wie Griffbreite, Brustkorbflexion, externe Rotation an der Hüfte oder Vorlage in der untersten Position.

Da wäre ja noch das Bankdrücken

Auch beim Bankdrücken werden von vielen Athlet:innen Gürtel genutzt. Da es üblich ist, hier den Bewegungsumfang aufs möglichst Geringste zu reduzieren, ist ein entscheidender Faktor die Beweglichkeit für den Aufbau der Brücke.

Athlet:innen mit einer hohen Brücke werden in der Regel seltener einen Gürtel beim Bankdrücken tragen. Grund dafür ist, dass bei einer hohen Brücke die Fläche, auf der der Gürtel am Rücken aufliegt, kleiner ist und der Gürtel sogar die Brücke einschränken kann.

Die Position des Gürtels beim Bankdrücken ist tendenziell neutral am Rücken und etwas weiter unten vorn am Bauch, damit er die Brücke möglichst wenig einschränkt.

Athlet:innen mit weniger Brücke können von einem Gürtel bei der Kraftübertragung aus den Beinen profitieren. Jedoch gilt auch hier: Die Technik beim Bankdrücken ist hoch individuell und ein Gürtel kann genauso dazu führen, dass man zu verkrampft mit zu viel Spannung im Bauchbereich auf der Bank liegt.

Ausprobieren und vergleichen, was sich besser anfühlt, ist hier der richtige Weg.

Zu beachten ist außerdem: Wer einen Gürtel beim Bankdrücken trägt, darf nach IPF-Regelwerk diesen mit der Hantel nicht berühren – damit wäre der Versuch ungültig.

Dennoch sind Gürtel aus dem EQ-Bankdrücken nicht wegzudenken. Hier dienen sie dazu, dass man das einlagige Hemd im Stehen nach unten ziehen und mit dem Gürtel fixieren kann. So bleibt das Hemd in der gewünschten Position und erzeugt bestmögliche Unterstützung während des Lifts.

Quetschungen vom Gürtel: Komfort oder Support?

Dies ist eher eine Notiz am Rande: Es ist völlig normal, sich gelegentlich Quetschungen oder kleine Schrammen bei der Nutzung von Gürteln zu holen. Jedoch gibt es auch hier wichtige Grenzen.

Wer sich regelmäßig blutige Verletzungen zuzieht oder vor Schmerzen während eines Lifts abgelenkt ist, sollte eine alternative Position für den Gürtel finden.

Selten, aber nicht zu missachten, sind Vorfälle, bei denen sich Athlet:innen mit einem steifen Gürtel Prellungen oder sogar kleinere Frakturen an den Rippen beim Kniebeugen holen.

Grund dafür ist meist die Tatsache, dass der Gürtel so getragen wird, dass er am untersten Punkt der Beuge von unten gegen eine Rippe drückt – die Kraft reicht hier aus, um Schaden anzurichten.

Solltet ihr also im Training Schmerzen an der Rippe durch den Gürtel bekommen: unbedingt die Position ändern oder sogar überlegen, einen anderen Gürtel zu nutzen.

Erfahrungsgemäß treten solche Verletzungen häufiger mit 13-mm-Gürteln auf. Das bedeutet jedoch nicht, dass ein weicherer, dünnerer Gürtel automatisch sicherer ist, was diesen Risikofaktor betrifft.

Fazit

Nun kommen wir da an, wo wir angefangen haben: Es kommt drauf an.

Einen Gürtel mit 13 oder 10 mm Dicke zu kaufen, sollte keine lapidare Entscheidung anhand unserer Vorbilder sein. Hier bedarf es einer ausführlichen Abwägung der verschiedenen Faktoren.

Mein persönlicher Tipp: Probiert verschiedene Gürtel aus, aber nicht nur für einzelne Einheiten. Bleibt mehrere Wochen dabei und trainiert auch mal eine schwerere Woche damit.

Um sich ein genaues Bild zu machen, würde ich mindestens zwei bis acht Einheiten mit einem neuen oder anderen Gürtel empfehlen.

Author: Paul Schlütter
https://fundamentalkraft.de

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